Words of Welcome: Machen aus jeder Sachspende für Flüchtlinge ein Stück Integration.


Im vergangenen Jahr kamen über eine Million Flüchtlinge in Deutschland an. Viele von ihnen wohnen noch immer in Gemeinschaftsunterkünften und warten auf die Anerkennung ihres Asylantrags. Die Zahl der ankommenden Flüchtlinge ist zwar geringer geworden, aber auch 2016 kommen noch Hunderttausende aus den Krisengebieten im Nahen Osten. 

Die meisten Flüchtlinge verstehen kein Deutsch, was die Kommunikation über ihre täglichen Bedürfnisse extrem schwierig macht. Besonders direkt nach der Ankunft in Deutschland gibt es viele Verständigungsschwierigkeiten, weil die Neuankömmlinge keine Dinge und Vorgänge benennen können und oft auch kein Englisch verstehen.

Zum Tag der deutschen Sprache am vergangenen Samstag, dem 10. September 2016 startete deswegen eine neue Initiative: Words of Welcome, Wörter des Willkommens – eine Aktion, die Produktspenden von Bürgern und Sponsoren in einen Sprachkurs und somit in ein Stück Integration verwandelt.

Für Words of Welcome wurde eigens ein arabisches Lautschriften-Alphabet entwickelt. Damit können Menschen, die eigentlich nur Arabisch sprechen und lesen können, plötzlich ganz einfach Deutsch sprechen – obwohl sie weiterhin ihre arabische Muttersprache nutzen.

Die arabisch-phonetischen Transkriptionen wurden für die wichtigsten 28 Sachspenden entwickelt. Spricht man die arabischen Schriftzeichen aus, hört es sich wie Deutsch an. So lernt jeder Mensch arabischer Herkunft, wie die jeweiligen Sachspenden auf Deutsch heißen, und kann mit den Helfern kommunizieren.

„Unsere vereinfachten lautsprachlichen Transkriptionen nutzen die Klangsysteme der Alphabete, die die Flüchtlinge bereits kennen, um die Laute der deutschen Sprache nachzustellen“, erklärt Thomas Senf – Geschäftsführer unseres Partners text&form. 

Die Transkriptionen wurden in drei Sprachen angefertigt: Arabisch, Farsi und Urdu – drei der am häufigsten gesprochenen Sprachen in den Flüchtlingszentren, in denen das Programm Words of Welcome eingeführt wurde. Die Wörter wurden auf insgesamt 70.000 Meter Klebeband gedruckt, mit dem knapp 375.000 Sachspenden vor Ort umverpackt werden konnten. Farben helfen dabei, unterschiedliche Kategorien wie Hygieneartikel, Nahrungsmittel oder Babysachen zu unterscheiden.

Die Berliner Stadtmission half bei der Entwicklung und war das erste Flüchtlingsheim, in dem Words of Welcome eingeführt wurde. Laut Community Manager Majdi Laktinah mit Erfolg: „Unsere Leute freuen sich über Words of Welcome. Damit können sie sofort anfangen, deutsche Wörter zu lernen und ihre 

Grundbedürfnisse zu kommunizieren. Zudem spart es beim Integrationsprozess Zeit. Und Words of Welcome hilft nicht nur den Flüchtlingen. Es hilft auch uns, ihnen zu helfen.“ 

Weitere Flüchtlingsheime der Berliner Stadtmission, Moabit hilft!, der Caritasverband für das Erzbistum Berlin e. V. und die TAMAJA Notunterkunft Flughafen Tempelhof führen Words of Welcome derzeit ebenfalls ein. 

„DDB Berlin veranstaltet jedes Jahr einen Charity-Tag für die Berliner Stadtmission und Flüchtlinge. Letztes Jahr haben wir dort mit unseren Mitarbeitern einen Spielplatz gebaut und Aufenthaltsräume gestaltet. Dieses Jahr spendeten wir Words of Welcome. Eine Idee, die besonders gut zu uns passt. Denn schließlich arbeiten bei DDB Berlin Mitarbeiter aus 16 Nationen weltweit, darunter auch Kollegen aus dem arabischen Sprachraum. Sprich, als diese Idee auf dem Tisch lag, war klar, was wir dieses Jahr machen werden!“, so Myles Lord von der Kreativagentur DDB Berlin. 

Das Designsystem ist so gestaltet, dass es leicht an andere Regionen angepasst werden kann, in denen andere Sprachen gesprochen werden und andere Sachen benötigt werden – daher sucht die Initiative nach Möglichkeiten, das Words of Welcome-Konzept deutschlandweit und an anderen Orten in Europa zu implementieren.  

Jeder kann helfen
Über die Webseite www.wordsofwelcome.org kann jeder ganz einfach mithelfen und ein Stück Words of Welcome-Band spenden. Jeder Meter, der über Social Media geteilt wird, wird real ausgedruckt und genutzt, um Sachspenden zu verpacken und phonetisch zu erklären. 

Initiatoren des Projekts sind die Berliner Stadtmission, die BürgerInneninitiative „Moabit hilft!“, die TAMAJA Notunterkunft Flughafen Tempelhof, der Caritasverband für das Erzbistum Berlin e. V. und die Kreativagentur DDB Berlin zusammen mit dem Sprachdienstleister text&form und der Digital-Produktionsagentur MediaMonks.